Themenreihe „Rund um den Sattel“ 3.) Rippenbogen und Schulter

Auch dies ist ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl des passenden Sattels:

Als Rippenbogen bezeichnet man die Biegung der Rippen von der Wirbelsäule ausgehend in ventraler Richtung (also nach unten). Man mag es vielleicht zunächst einmal nicht glauben, aber dieser Bogen kann von Pferd zu Pferd  sehr unterschiedlich aussehen  – siehe Fotos. Schmale Rippenbögen findet man häufig bei  Vollblütern und auch bei vielen Warmblütern. Runde Rippenbögen oft bei Haflingern, Arabern, vielen PRE´s. Allgemein gültig ist diese Aussage jedoch nicht! Es muss wie immer im Einzelfall geschaut werden.

Wozu ist das wichtig?

Der Rippenbogen gibt auch wieder einen Hinweis darauf, welche Sattelbäume infrage kommen, und er gibt vor, wie die Kissenwinkelung des Sattels  sein sollte.  Die Kissen eines Sattels sollen immer flächig aufliegen. Ist aber die Winkelung der Kissen zu steil,  oder sind die Kissen zu prall gefüllt, minimiert das die Auflagefläche und kann – mal wieder – zu sehr unangenehmen Druckstellen führen.

Auch die Lage und Größe der Schulterblätter sollten bei derAuswahl, bzw. Anpassung des Sattels  mit einbezogen werden.

Wie wird’s gemacht?

Schaut, dass euer Pferd geschlossen steht und stellt euch dann hinter die Schweifrübe und blickt über die Kruppe hinweg nach vorne. Ist das Pferd zu groß, nehmt eine Aufstieghilfe oder etwas anderes in der passenden Größe – es ist wichtig, dass ihr einen freien Blick über den Rücken habt. Erschreckt nicht, wenn die Schultern rechts und links sehr unterschiedlich aussehen… das ist eher die Regel, denn die Ausnahme und liegt schlicht in der Anatomie des Pferdes begründet. Mit zunehmender Gymnastizierung des Pferdes nimmt die Ungleichheit der Schultern ab, ganz symmetrisch ist es jedoch fast nie. Je nachdem wie ausgeprägt und /oder unterschiedlich die Schultern sind, muss dem jedoch beim Sattel Rechnung getragen werden.

Auch hier wieder der Rat: schult euren Blick durch Anschauen möglichst vieler Pferde. Das gilt vor allem für die unterschiedlichen Rippenbögen.

Themenreihe „Rund um den Sattel“ 2.) Der Längsschwung

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Auswahl  passenden Sattels ist der Schwung. Was ist damit denn nun eigentlich gemeint?

Genauer gesagt, handelt es sich um den Längsschwung des Pferdes in der Rückenpartie, also praktisch dem Bereich vom Widerrist über den Rücken bis zum 18. Rückenwirbel, bei dem die Auflagefläche des Sattels endet.  In der Rückenlinie gibt es große Unterschiede: es gibt ziemlich gerade verlaufende Rücken, es gibt das Gegenteil, den  „Badewannen“-Rücken, es gibt natürlich alles dazwischen, und es gibt auch innerhalb des Schwungs Unterschiede, z.B. durch die Form und die Länge des Widerrists.

Wofür ist das wichtig? Alle Baumsättel (egal welcher Disziplin) haben einen festen, formstabilen Sattelbaum als Innenleben. Diese Formen sind jedoch immer leicht unterschiedlich je nach Hersteller und Modell. Wichtig ist also, dass man den Baum findet, der am besten zu der jeweiligen Rückenform passt. Hat man den passenden gefunden, erfolgt der Rest, also das „Feintuning“ sozusagen, über die Füllung der Kissenpolster (bei englischen Sätteln), bzw. über Pads (bei den Westernsätteln).

Der Längsschwung des Pferdes ist somit genauso wichtig für die Auswahl des passenden Sattels wie die Auflagelänge.

Wie könnt ihr nun gucken, wie die Rückenform eures Pferdes aussieht?  Ihr stellt euer Pferd vor eine möglichst unifarbene Wand. Diese sollte außerdem einen Kontrast zur Pferdefarbe haben, also nicht den Rappen vor eine dunkle Wand stellen oder den Schimmel vor eine weiße. Idealerweise hält jemand euer Pferd fest und sorgt dafür, dass der Hals und der Kopf grade gehalten werden, und das Pferd möglichst geschlossen steht. Dann tretet ihr ein paar Meter zurück und stellt euch auf Höhe des Rumpfes – dort, wo der Sattel liegen soll – und betrachtet die Rückenlinie. Wie viel Schwung seht ihr? Macht auch das bei mehreren Pferden – seht ihr Unterschiede?

Auftakt Themenreihe „Rund um den Sattel“ 1.) Die Auflagefläche

Die Länge des Sattels ist ein ganz wichtiges Thema, denn ist der Sattel zu lang oder zu groß, hat das auf Dauer fiese Auswirkungen für euer Pferd.

Grundsätzlich ist ein Pferd nur mit einem ganz begrenzten Teil seines Körpers in der Lage, das Reitergewicht zu tragen. Die vordere Begrenzung der Auflagefläche ist das Schulterblatt, die hintere Begrenzung ist die letzte Rippe des Pferdes.

Der Sattel sollte also nicht auf dem Schulterblatt aufliegen, da sonst die Muskulatur leidet und bei längerer falscher Belastung auch die Knorpelsubstanz (es gibt einige Ausnahmen, bei denen sicher gestellt werden muss, dass die Schulter unter dem Sattel in der Bewegung frei rotieren kann, z.B. bei Westernsätteln).

Die Begrenzung nach hinten ist noch wichtiger, da zum einen dort wichtige Organe und Teile des Darms liegen, die nicht gedrückt werden sollten, zum anderen ist ein Pferd physisch nicht in der Lage, Gewicht auf den Lendenwirbeln zu tragen. Ist der Sattel zu lang, bedeutet das, dass ihr Gewicht über den thoracolumbalen Übergang hinaus auf den ersten Lendenwirbeln habt. Das sorgt für Entzündungen, Arthrose und langfristig begünstigt es die Entstehung von Kissing Spines

Wie könnt ihr also prüfen, wie lang die Sattellage eures Pferdes ist?

Tastet vorne die caudale (hintere) Seite des Schulterblatts  und hinten die letzte Rippe.Dieser folgt ihr in einem leichten Bogen nach oben bis zur Wirbelsäule – voila, schon habt ihr die Sattellage eingegrenzt.  

Versucht das ruhig mal bei verschiedenen Pferden  – ihr werdet erstaunt sein, wie unterschiedlich es sich anfühlt und wie unterschiedlich die Länge der Auflagefläche sein kann. Viel Spaß beim ausprobieren 🙂