Themenreihe „Rund um den Sattel“ 2.) Der Längsschwung

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Auswahl  passenden Sattels ist der Schwung. Was ist damit denn nun eigentlich gemeint?

Genauer gesagt, handelt es sich um den Längsschwung des Pferdes in der Rückenpartie, also praktisch dem Bereich vom Widerrist über den Rücken bis zum 18. Rückenwirbel, bei dem die Auflagefläche des Sattels endet.  In der Rückenlinie gibt es große Unterschiede: es gibt ziemlich gerade verlaufende Rücken, es gibt das Gegenteil, den  „Badewannen“-Rücken, es gibt natürlich alles dazwischen, und es gibt auch innerhalb des Schwungs Unterschiede, z.B. durch die Form und die Länge des Widerrists.

Wofür ist das wichtig? Alle Baumsättel (egal welcher Disziplin) haben einen festen, formstabilen Sattelbaum als Innenleben. Diese Formen sind jedoch immer leicht unterschiedlich je nach Hersteller und Modell. Wichtig ist also, dass man den Baum findet, der am besten zu der jeweiligen Rückenform passt. Hat man den passenden gefunden, erfolgt der Rest, also das „Feintuning“ sozusagen, über die Füllung der Kissenpolster (bei englischen Sätteln), bzw. über Pads (bei den Westernsätteln).

Der Längsschwung des Pferdes ist somit genauso wichtig für die Auswahl des passenden Sattels wie die Auflagelänge.

Wie könnt ihr nun gucken, wie die Rückenform eures Pferdes aussieht?  Ihr stellt euer Pferd vor eine möglichst unifarbene Wand. Diese sollte außerdem einen Kontrast zur Pferdefarbe haben, also nicht den Rappen vor eine dunkle Wand stellen oder den Schimmel vor eine weiße. Idealerweise hält jemand euer Pferd fest und sorgt dafür, dass der Hals und der Kopf grade gehalten werden, und das Pferd möglichst geschlossen steht. Dann tretet ihr ein paar Meter zurück und stellt euch auf Höhe des Rumpfes – dort, wo der Sattel liegen soll – und betrachtet die Rückenlinie. Wie viel Schwung seht ihr? Macht auch das bei mehreren Pferden – seht ihr Unterschiede?

Themenreihe „Rund um den Sattel“ 1.a) Exkurs: Auflagefläche messen

Ihr wisst ja nun, was die Sattel-Auflagefläche ist. Nützlich zu wissen ist allerdings auch, wie die Länge der Auflagefläche üblicherweise gemessen wird. Zum Beispiel, wenn ihr selber im Internet nach einem Sattel sucht, ist es hilfreich, wenn ihr wisst, welche Sattelmodelle ihr  von vorneherein ausschließen könnt, bzw. auf welche ihr euch konzentrieren solltet.

Im Prinzip ist es ganz einfach: ihr tastet wieder nach dem caudalen Bereich des Schulterblatts und hinten folgt ihr wieder der letzten Rippe nach oben. Dann legt ihr zwischen den beiden Bereichen einen Zollstock (dann also schräg nach oben verlaufend) an.

Ganz, ganz wichtig: Schließt nicht von der Größe des Pferdes auf die Länge der Sattellage!

Es gibt Ponys mit durchaus ansprechenden, komfortablen  Sattellagen-Längen und es gibt Großpferde, die extrem kurze und daher eher problematische Sattellagen haben, vor allem dann, wenn sie einen größeren und/oder schwereren Reiter schmerzfrei  tragen sollen. Wie z.B. unser Model „George“, der es bei einem beachtlichen Stockmaß von an die 1,80m grade mal auf eine grandiose Auflagefläche von 42cm schafft^^.   Da hat man bei  vielen Deutschen Reitponys mehr Spielraum 😀

Ich wünsche euch wieder viel Spaß beim Ausprobieren 🙂

Auftakt Themenreihe „Rund um den Sattel“ 1.) Die Auflagefläche

Die Länge des Sattels ist ein ganz wichtiges Thema, denn ist der Sattel zu lang oder zu groß, hat das auf Dauer fiese Auswirkungen für euer Pferd.

Grundsätzlich ist ein Pferd nur mit einem ganz begrenzten Teil seines Körpers in der Lage, das Reitergewicht zu tragen. Die vordere Begrenzung der Auflagefläche ist das Schulterblatt, die hintere Begrenzung ist die letzte Rippe des Pferdes.

Der Sattel sollte also nicht auf dem Schulterblatt aufliegen, da sonst die Muskulatur leidet und bei längerer falscher Belastung auch die Knorpelsubstanz (es gibt einige Ausnahmen, bei denen sicher gestellt werden muss, dass die Schulter unter dem Sattel in der Bewegung frei rotieren kann, z.B. bei Westernsätteln).

Die Begrenzung nach hinten ist noch wichtiger, da zum einen dort wichtige Organe und Teile des Darms liegen, die nicht gedrückt werden sollten, zum anderen ist ein Pferd physisch nicht in der Lage, Gewicht auf den Lendenwirbeln zu tragen. Ist der Sattel zu lang, bedeutet das, dass ihr Gewicht über den thoracolumbalen Übergang hinaus auf den ersten Lendenwirbeln habt. Das sorgt für Entzündungen, Arthrose und langfristig begünstigt es die Entstehung von Kissing Spines

Wie könnt ihr also prüfen, wie lang die Sattellage eures Pferdes ist?

Tastet vorne die caudale (hintere) Seite des Schulterblatts  und hinten die letzte Rippe.Dieser folgt ihr in einem leichten Bogen nach oben bis zur Wirbelsäule – voila, schon habt ihr die Sattellage eingegrenzt.  

Versucht das ruhig mal bei verschiedenen Pferden  – ihr werdet erstaunt sein, wie unterschiedlich es sich anfühlt und wie unterschiedlich die Länge der Auflagefläche sein kann. Viel Spaß beim ausprobieren 🙂